Foto: Stefan Krüger

Fastenaktion 2020

Passionszeit 26.02. - 12.04.20

11.04.20

Liebe Jugendliche und Erwachsene, liebe Leserinnen und Leser,

mit der Osternacht ist die diesjährige Fastenaktion zu Ende. Corona hat Vieles von dem, was andere und ich sich für diese sieben Wochen vorgenommen hatten, an den Rand gedrängt. Ständige „Corona updates“ standen im Mittelpunkt. Raum für Fragen nach Erfahrungen beim Fasten oder dem Sinn des Fastens blieb kaum. Aber zum Ende dieses kleinen Fastenblogs soll dazu Gelegenheit sein:

Ich habe beim Alkoholfasten gespürt, dass es mir nicht ganz leicht fiel, meine Gewohnheiten zu ändern. Aber eine große Herausforderung war es auch nicht, vor allem, weil wir zu zweit fasteten. Alle, die in ihren Familien allein z.B. auf Süßigkeiten oder Fleisch verzichten wollten, hatten es den Berichten zufolge viel schwerer. Zusammen fastet es sich besser.

Der tiefere Sinn des Fastens liegt ja darin, innerlich von Wünschen und Begehrlichkeiten freier zu werden und so offener für die Begegnung mit Gott zu sein. Ich merke, in diesem Jahr hat Corona bei mir mehr Auseinandersetzungen mit meinem Glauben ausgelöst als die Fastenaktion. Ich nenne einige Gründe und Folgen:

Gottesdienste dürfen nicht in Gemeinschaft gefeiert werden, Kirchen werden geschlossen. Lebensmittelgeschäfte bleiben offen. Wie lebensnotwendig ist die Botschaft von der Liebe Gottes zu uns? Wir diskutieren im Kreis von Kollegen und Freunden: Wie wichtig sind der Ort und die erlebte Nähe einer Gemeinschaft dafür, dass die Botschaft Jesu ankommt?
Die Pandemie hat nicht nur bei mir viele berufliche Pläne zerstört. Ich hatte mich sehr auf die Jugendwanderung durch den Harz in dieser Karwoche gefreut.  Auf schöne Stunden in der Natur und intensive Gespräche über Gott und die Welt. Gleichzeitig „verursachte“ Corona Zeit für diese Gespräche unter Freunden und in der Familie. So haben wir beispielsweise am Abend des Karfreitags den beeindruckenden Film „Das erste Evangelium“ angeschaut.

Die Bilanz meines persönlichen Fastens fällt also gespalten aus. Ich hoffe, dass wir im kommenden Jahr mehr Gelegenheit für ein bewussteres Fasten haben.

Glücklicherweise ist die Osterbotschaft nicht zwiespältig: Jesus Christus hat den Tod überwunden! Mit dem Ostermorgen wird unser aller Leben in ein neues Licht getaucht.

Ich wünsche allen Leserinnen, Lesern und ihren Familien: Frohe Ostern!

Volker Austein

Ende März

Moin!

Auch ich möchte mich in der Fastenzeit melden und meine Erfahrungen teilen.
Dieses Jahr hatte ich mich entschieden auf Fleisch zu verzichten und im Allgemeinen darauf zu achten, was ich zu mir nehme. Gerade zu Corona-Zeiten fällt mir das Fasten leider sehr schwer. Keine Schule mehr, kein Chor mehr und sonstige Hobbys wie Gemeindearbeit und Freunde treffen fallen weg. Der Alltag hat sich also komplett verändert. Dies macht es schwieriger, einen geregelten Tagesablauf zu bekommen und darauf zu achten, was man isst und vor allem, bewusst damit zu leben. Bewusst auf Fleisch zu verzichten, ist mir deshalb nur teilweise möglich gewesen, auch wenn ich mich bemühe.
Wiederum denke ich, dass ich nicht der einzige mit Schwierigkeiten bezüglich des Fastens bin. 7 Wochen ohne Pessimismus war der Vorschlag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für die Christen Deutschlands. Ich denke, dass dies sich schwierig darstellt. Den ganzen Tag zu Hause zu verbringen, wohlmöglich noch allein.
Da ist es wahrscheinlich gar nicht möglich, den Pessimismus zu umgehen.
So kann ich von meinen Erfahrungen nur berichten, dass es mir sehr viel besser geht, zu diesen Zeiten nicht den Fokus aufs Fasten zu legen, wie es eigentlich mal gedacht war, sondern darauf, sozial Kontakte zu halten und zu pflegen.

Jens Klemm

31.03.20
Julien und ich sind am Aschermittwoch angefangen. Wir wollten auf Zucker und verarbeitete Lebensmittel verzichten. Das mit dem Haushaltszucker hat super geklappt, kein Verbrauch, auch kein Ersatz. Wir haben auch keine Süßigkeiten gegessen .

Manchmal nicht so aufgepasst haben wir z.B. bei Rotkohl aus dem Glas oder Joghurt, dort ist Zucker enthalten .

Dieser Coronavirus hat etwas an unserer Konzentration gezerrt, aber wir haben es überwiegend hin bekommen. Wir wollten nicht täglich einkaufen und sind nur einmal in der Woche gefahren. Wir haben viel frisches Obst und Gemüse gegessen. Mein Sohn hat, glaube ich, viel über  Ernährung gelernt und auch mal geschaut, was in verarbeiteten Lebensmitteln enthalten ist. Er war entsetzt darüber, was in so einer Packung Spargelcremesuppe enthalten ist: Nur 4 Prozent Spargel, der Rest ist nur Fett und Stärke.
Außerdem haben wir uns über Düngemittel und Tierhaltung unterhalten und mit den Problemen beschäftigt.

Manuela Goss mit Julièn

Donnerstag, 19.03.20
Ich faste dieses Jahr Fleisch. Da ich schon ein paar Wochen vorher angefangen habe, fielen mir die letzten Wochen nicht so schwer. Heute (an meinem Geburtstag) hätte es eigentlich Hochzeitssuppe gegeben, aber ich konnte erfolgreich verzichten. 😉
Bei mir gibt es also momentan hauptsächlich vegetarische Aufstriche und Käse. Aber es gibt auch für warme Gerichte gute und vor allem leckere Alternativen.  Man merkt dabei, wie viel aus Fleisch ist. Aber natürlich auch, was alles vegetarisch ist und welche Marken sinnloser Weise damit werben…

Paula Krüger

18.3.2020

Die Entwicklung der Coronaverbreitung hat das Fasten für mich in den letzen Tagen sehr in den Hintergrund treten lassen. Überrascht haben mich die Äußerungen von Bundestrainer Jogi Löw, der kürzlich das „Schneller, höher, weiter“ in unserer Gesellschaft kritisierte und sinngemäß meinte: Die Pandemie zwingt uns dazu zu erkennen, was wirklich im Leben zählt. Da ist er meines Erachtens nah bei der Fastenaktion. Einen solchen neuen Blick auf das Leben (und für Christinnen und Christen auf Gott) zu „riskieren“, das kann uns der Verzicht auf die Gewohnheiten ermöglichen.

Volker Austein

Samstag, 29.2.

„Du fastest Alkohol? Dann kann ich den Wein ja gleich wieder mit nach Hause nehmen“, witzelte der Freund der übers Wochenende zu Besuch kam. Das Stichwort „Fasten“ ist immer gut für Scherze. Vorm Aschermittwoch hörte ich (mal wieder), dass jemand Fasten fastet. Am Abend mit dem erwähnten Gast wurde noch ein Bild gezeigt: „Fast’n Kasten“, eine Bierkiste, in der eine Flasche fehlte. Eigentlich sind die satirischen Bemerkungen zum Fasten auch gut. Eine Aufforderung, sich nicht zu wichtig zu nehmen und nicht über die zu erheben, die nicht fasten.

Wir kamen in trauter Runde auch zu der Frage, ob man zum Fasten den biblischen Hintergrund braucht? Ich glaube, gerade der bringt uns dazu, dass Fasten ernst, aber uns nicht zu wichtig zu nehmen. Die Worte des Evangeliums erinnern uns, so schreibt Frank Muchlinsky in einer Fastenmail, dass wir nicht alles in der Hand haben und auch nicht haben müssen. Wir fasten nicht, um uns zu optimieren. So wie wir sind, sind wir wertvoll in Gottes Augen.

Also: Falls jemand gute Fastenwitze hat, bitte zusenden!

Es freut sich darauf

Volker Austein

7 Wochen mit und ohne … - Wir sind dabei

Austein, Volker (61) – ohne Alkohol

Brand, Theresa (11) – ohne Fleisch

Goss, Julièn – ohne Zucker, Beschränkung auf unverarbeitete Lebensmittel

Goss, Manuela – ohne Zucker, Beschränkung auf unverarbeitete Lebensmittel

Klemm, Jens (18) – ohne Fleisch

Lilli Krüger (15) - mit gesunder Ernährung und mehr Bewegung

Krüger, Paula (17) – ohne Fleisch

Lohmann, Heidemarie (53)  - ohne Süßes aller Art

Lohmann Mendoza, Rosa Linda (13 Jahre) – ohne Süßes aller Art

Aschermittwoch, 26.02. und Donnerstag, 27.02.

Als ich heute Morgen aufstand, dachte ich: Ab heute 7 Wochen keinen Alkohol trinken. Upps. Kein abendliches Bier, keinen Wein zur Entspannung.  Ich brauche keinen Alkohol, hatte ich am Vorabend noch zu meiner Enkelin gesagt. Wenn ich das nicht brauche, was dann?  Die Frage ging mir den Tag über nach. Ich merkte, wie gut mir die Sonne heute tat, die endlich mal wieder schien.

Was brauche ich wirklich? Abends durfte ich beim Abschluss der Traineekurse für Jugendarbeit eine Andacht halten. Deshalb dachte ich den ganzen Aschermittwoch darüber nach, dass Jesus die Menschen in seiner Nähe immer wieder mit dieser Frage konfrontierte: Was brauchst du wirklich und was hindert dich eigentlich, vertrauensvoll und zuversichtlich zu leben?

Den Tag über war ich immer wieder mal damit beschäftigt, Jugendliche auf die Fastenaktion hinzuweisen und sie einzuladen, an dieser Stelle davon zu berichten. Es hat mich überrascht, dass sich aus den Konfusgruppen am Mittwoch einige beteiligen wollen. Das finde ich wirklich prima.

Abends gab es übrigens Latte Macchiato statt Alkohol.

Am Donnerstag gab es beim Mittagessen den „Eklat“: Die jüngere Enkelin fastet Fleisch – und zwar ernsthaft. Dabei hatte ich extra ihretwegen Bolognese-Soße gekocht … Und sie war auch nicht bereit, um den Koch nicht zu kränken, beim Fasten eine Ausnahme zu machen. Da war ich früher lascher. Außerdem fastet sie auch Süßigkeiten – ohne schlechte Laune zu verbreiten! In einem Deutschlandfunkinterview wies neulich ein Religionswissenschaftler darauf hin, dass viele religiöse Lehrer meinen, Fasten sollte eigentlich nicht wehtun! Er hätte sogar einen jüdischen Spruch gelesen: „Wenn dich das Fasten mürrisch macht, dann iss und trink lieber“.

Ich habe mich heute übrigens mit verschiedenen alkoholfreien Getränken ausgerüstet und sehe dem Abend gelassen und gut gelaunt entgegen.
Volker Austein

 

7 Wochen ohne … - Wir sind dabei

Austein, Volker (61) – Alkohol

Brand, Theresa (11) - Fleisch

Goss, Julièn – Verzicht auf Zucker, Beschränkung auf unverarbeitete Lebensmittel

Goss, Manuela - Verzicht auf Zucker, Beschränkung auf unverarbeitete Lebensmittel

Klemm, Jens (18) – Fleisch

Krüger, Paula (17) - Fleisch

Lohmann, Heidemarie (53)  - Süßes aller Art

Lohmann Mendoza, Rosa Linda (13 Jahre) - Süßes aller Art

 

HINTERGRUND

Mit dem Aschermittwoch beginnt die sogenannte Passionszeit (Leidenszeit). Mit dem Fasten erinnern sich Christinnen und Christen an das Leiden Jesu vom Einzug in Jerusalem bis zur Kreuzigung. (Vgl. dazu z.B. Markusevangelium ab Kapitel 11)

Wer mehr zur Aktion lesen oder hören möchte, kann das unter folgenden Links tun:

https://7wochenohne.evangelisch.de/die-evangelische-fastenaktion-7-wochen-ohne

https://www.deutschlandfunk.de/fasten-in-den-religionen-konzentration-aufs-wesentliche.886.de.html?dram:article_id=470995

INFOS:

Hier könnt ihr alles erfahren, was ihr über unsere Fastenaktion wissen wollt.

Oder auch einfach Mitmachen! 

Regionaldiakon Volker Austein
Am Kirchenplatz 3
27711 Osterholz-Scharmbeck
Tel.: 04791-899855